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WER KANN DEN SPAGAT?

“Wann werde ich endlich beweglicher?”

“Kann ich den Spagat überhaupt lernen? Wie lange dauert das?”

Yoga ist dafür bekannt die Flexibilität und ROM (range of motion: Bewegungsraum des jeweiligen Gelenks) zu verbessern. In Yoga geht es längst nicht ausschliesslich darum, deine Beweglichkeit zu verbessern, aber Flexibilität wird durch die Asana-Praxis auf alle Fälle gefördert. Das Ziel dabei sollte immer bleiben, die Bewegungsfreiheit aber zugleich auch die Stabilität eines Gelenks zu fördern. Denn auch Überflexilität (auch Hypermobilität) ist ein nicht seltenes Syndrom, das für die betroffenen 15-20% der Bevölkerung zu Problemen führen kann. Dazu ein anderes Mal mehr.


Als Yogalehrerin werde ich oft gefragt: “Wann werde ich endlich beweglicher?”, “Kann ich den Spagat überhaupt lernen? Wie lange dauert das?”


Eine einfache Antwort, die für alle gilt, gibt es darauf nicht. Wenn du also von Programmen liest wie: Lerne den Spagat in 28 Tagen, dann rate ich dir zur Skepsis!


Wovon hängt nun ab, ob du beispielsweise den Spagat lernen kannst und wie lange es dauern wird. Acht Faktoren sind zur Beantwortung dieser Frage relevant:

  1. Dein Alter: Je älter du wirst, desto mehr an Elastizität verliert das die Muskeln umgebende Bindegewebe, das beim Dehnen eine bedeutende Rolle spielt. Die gute Nachricht ist, dass dieser Prozess stark von deinem Aktivitätslevel abhängt. Wer sich regelmässig bewegt, kann diesen Alterungseffekt auf ein Minimum beschränken.

  2. Dein Geschlecht: Frauen scheinen laut Studien tatsächlich etwas flexibler zu sein als Männer. Das kommt zum einen daher, dass Männer sich dank ihrer stärkeren Muskulatur weniger mit Beweglichkeit beschäftigen (als zum Beispiel mit Kraftaufbau), ist aber auch dem unterschiedlichen Aufbau des Bindegewebes bei Mann und Frau geschuldet. Ausserdem erfreuen sich Frauen durchschnittlich einer grösseren Toleranz für Dehnung. So fühlen sich Frauen nach passiven Dehnungen gelöst und flexibler, während Männer danach tendenziell mit Steifheit in den gedehnten Bereichen zu kämpfen haben.

  3. Dem Gelenk: Typ und Struktur des Gelenks definiert ROM. Grundsätzlich verfügt jedes Individuum über dieselben Gelenke wie seine Mitmenschen, dennoch kann es auch zu kleinen individuellen Abweichungen kommen. Beispielsweise spielt die Hüftstellung eine Rolle für die Beweglichkeit nicht nur direkt in der Hüfte, sondern auch in der Beinrückseite. Übrigens kann sich Flexibilität innerhalb desselben Körpers je nach Gelenk stark unterscheiden: So berührt jemand beispielsweise ohne Probleme mit gestreckten Beinen den Boden, vermag aber nicht, seine Hände hinter dem Rücken verschränken.

  4. Deine Vorgeschichte: Hast du dich schon immer gerne und regelmässig bewegt? Dann ist dein Bindegewebe und dein neuronales Netzwerk besser auf das Flexibilitätstraining vorbereitet. So oder so: Deine Vorgeschichte spielt eine Rolle. Gewicht, Grösse und Körperproportionen scheinen allerdings kaum einen Einfluss auf deine Erfolgsaussichten in Bezug auf Beweglichkeit zu haben.

  5. Mentale Verfassung: Beweglichkeitstraining führt nicht nur zu Entspannung, diese ist auch notwendig, um an Flexibilität zu gewinnen. Durch Atmung und bewusste Entspannung (innere wie äussere) erreicht man bessere Resultate.

  6. Wärme: Ob durch aktives Aufwärmen (am besten und immer empfohlen) oder durch eine heisse Dusche, Aufwärmen verhindert nicht nur Verletzungen beim Dehnen, sondern verbessert deren Ergebnisse.

  7. Widerstandstraining: Widerstand während dem Dehnen, bzw. ein Abwechseln zwischen Aktivierung und Entspannung der Muskulatur (PNF) hilft die Flexibilität zu verbessern.

  8. Schwangerschaft: Dieser Punkt betrifft offensichtlich nicht alle. Schwangere Frauen profitieren vom Hormon Relaxin, das ihr Bindegewebe während der Schwangerschaft flexibler werden lässt. Nach der Schwangerschaft baut sich dieses Hormon wieder ab.


Mit diesen acht Punkten ist noch längst nicht alles zum Thema Flexibilität gesagt. Die gute Nachricht ist aber: Fast jeder kann den Spagat lernen. Wenn du gerne flexibler werden möchtest, dann geht das mit dem passenden Training. Yoga ist dazu gut geeignet, wobei das natürlich vom jeweiligen Yogaunterricht und Lehrer abhängt. In einem nächsten Beitrag möchte ich mehr darauf eingehen, warum man denn überhaupt an seiner Flexibilität arbeiten sollte.


QUELLEN:


Flexibility Training, Len Kravitz, Ph. D. and Vivian H. Heyward, Ph. D.


Flexibility, UC Davis Sports Medicine


Impact of 10-weeks of yoga practice on flexibility and balance of college athletes, Jay Polsgroce M., Brandon M. Eggleston, Roch J. Lockyer



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